
Gefahren in der Online-Welt
Mitte Juli 2004 wurde der 15jährige Murat Yildiz ermordet und in einem Waldstück bei Dillingen gefunden, nachdem er sich in der Vergangenheit und zum Zeitpunkt seines Verschwindens mehrfach mit homosexuellen Männern am Bahnhof Donauwörth getroffen hatte. Der Junge soll in der Vergangenheit des Öfteren Männer über das Internet kennen gelernt und sich mit ihnen getroffen haben. Außerdem betrieb er seit April eine Webseite für Jugendliche, die sich mit typischen Jugendthemen wie Liebe, Hausaufgaben und ähnlichem beschäftigte.
Die Polizei nahm am 27. August zwei 41 und 33 Jahre alte Männer fest, welche im Internet gezielt nach einem Opfer gesucht hatten, das sie aus sexuellen Motiven töten wollten. Murat hatte mit den beiden Männern im Internet ein Blind-Date vereinbart. Am 12. Juli trafen sie dann den Jugendlichen in Donauwörth. Noch am selben Tag töteten sie ihn zu ihrer sexuellen Befriedigung mit zahlreichen Messerstichen. Das Opfer war nach ersten Erkenntnissen vor der Tötung gefesselt worden. Die "schrecklich zugerichtete Leiche" (Zitat der Polizei) war vier Tage nach der Tat in einem Wald bei Donauwörth gefunden worden.
Nun, ein Jahr nach dem Sexualmord an dem 15-jährigen Schüler Murat Yildiz hat das Augsburger Landgericht einen der beiden Täter zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 42-jährige Angeklagte Mathias B. zusammen mit einem Schweizer Berufssoldaten als Komplizen den Jugendlichen aus sexueller Mordlust brutal ermordet hat.
Natürlich ist dieses Beispiel ein besonders schlimmer Fall und soll jetzt nicht dazu beitragen Panik zu schüren, oder hinter jedem Menschen, der über das Internet Kontakt sucht, einen Mörder zu vermuten. Aber dennoch zeigt es auf, dass Chatrooms, Kontaktanzeigen und das Kennenlernen anderer Menschen über das Internet für Jugendliche durchaus Gefahren mit sich bringen kann.
Persönliche Daten sind ein großes Risiko
Hier mal eine typische (erfundene) Kontaktanzeige, wie sie Euch mit Sicherheit schon mehrfach im Web begegnet ist:
“Hi, mein Name ist Christian, ich bin 14 Jahre alt, ungeoutet und will es auch bleiben. Ich suche nen netten Typen in meinem Alter aus meiner Region (komme aus Mettmann). Freue mich auf Deine Mail. Email: christian.dahlke@dahlke-online.de“
Auf den ersten Blick eine ganz normale und harmlose Kontaktanzeige, oder ?
Doch was verrät diese Anzeige jemandem, der vielleicht nichts gutes im Schilde führt ?!
Der Junge ist 14 Jahre, ist offenbar schwul und traut sich noch nicht, anderen Menschen zu sagen, dass er schwul ist
- Sein Name ist Christian Dahlke – den Nachnamen verrät die Emailadresse.
- Er stammt aus Mettmann – ein Blick in die Online-Telefonauskunft verrät evtl. die Adresse und Telefonnummer.
- Wenn die Telefonauskunft nicht hilft, so hilft ein Blick auf die Homepage von Christian oder die Seite der Familie. Denn offenbar nutzt Christian eine Emaildresse die seiner Familie gehört (@dahlke-online.de)
- Auch wenn auf der Homepage keine Adressdaten zu finden sind, so hilft ein kurzes nachschauen bei der Denic – das ist die Meldestelle für deutsche Internet-Domains – und schon habe ich alle Daten, also Namen, Adresse usw. über den Homepagebesitzer – also über Christian oder seine Familie.
All diese Dinge sind aus einer solchen kleinen und scheinbar harmlosen Kontaktanzeige in
Umfrage
Was also tun ? Vorsichtsmaßnahmen...
Es gibt einige einfache Verhaltensmaßregeln, die recht zuverlässig helfen, solche Situationen und Probleme zu verhindern:
- Kein Mensch muss Deinen Nachnamen wissen um mit Dir in Kontakt treten zu können - halte Dich hier immer sehr bedeckt und verwende ihn auch nicht in Emailadressen, Messenger-Namen, Benutzernamen etc.
Nutze keine Emailadressen die zu irgendwelchen Webseiten gehören, die Dir, Freunden oder Angehörigen gehören. Denn über die Registrierungsstellen bekommt man fast immer Deine Adresse und Deinen Namen heraus.
- Beantrage Dir stattdessen bei einem der zahlreichen Anbieter eine kostenlose und anonyme Emailadresse, also z.B. bei web.de, gmx.de oder inetmx.de.
- Verwende für Deine Emailadresse immer nichts-sagende Namen, also z.B. "chris14nrw@web.de" oder ähnliches – verwende niemals Deinen Nachnamen oder Deine Telefonnummer.
- Gib nicht vorschnell Deine Telefonnummer raus, lerne Menschen erstmal per Email kennen bevor Du ihnen so sehr vertraust. Bedenke auch, dass fast alle Telefonanschlüsse und Handys heutzutage Deine Telefonnummer mit übertragen - also Vorsicht, oder besser von einer Telefonzelle aus irgendwo anrufen!
- Bedenke das es das Mittel der Reverssuche (also Rückwärts-Suche) gibt: Damit kann man anhand Deiner Telefonnummer Deine Adresse herausfinden, sofern diese in das Telefonbuch eingetragen ist.
- Wenn Du eine Telefonnummer heraus gibst, dann niemals Eure / Deine Festnetznummer, sondern immer eine Handynummer – möglichst von einem Prepaid-Handy. Wenn Dich hier nämlich wirklich mal jemand belästigt und Telefonterror macht, dann kannst Du das Handy problemlos abstellen oder Dir eine neue Handynummer besorgen.
Denk auch immer daran, dass sich im Internet jeder verstellen kann. Jeder kann einen auf nett und freundlich machen, jeder kann sich jünger oder älter machen und Du hast kaum Möglichkeiten dies zu überprüfen. Wenn Du dies immer im Hinterkopf behältst und neuen Kontakten immer etwas vorsichtig begegnest, kann Dir im Web fast nichts mehr passieren…













